Dhara Meyer


TIROL 2050 energieautonom ist ein großer Veränderungsprozess, der vorzeigt, wie man die Energiewende in Angriff nehmen kann.

 

Ein starkes Land auf dem Weg zur großen Freiheit – Kannst Du uns bitte mehr über TIROL 2050 energieautonom erzählen?

Tirol hat sich zum Ziel gesetzt, sich aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu befreien. Die Tiroler:innen sollen künftig in der Lage sein, ihren gesamten Energiebedarf aus heimischen, erneuerbaren Quellen zu decken. Zu unserem Energiebedarf zählt übrigens nicht nur der Strom, den wir verbrauchen, sondern die gesamte Energie für Mobilität, Wärme und Industrie. Um das zu schaffen, werden wir den Energieverbrauch in Tirol deutlich reduzieren und die Erneuerbaren weiter ausbauen. Sonne, Holz, Wasser, Umweltwärme – das alles ist in Tirol reichhaltig vorhanden, wir müssen es nur richtig nutzen. Dadurch steigern wir die regionale Wertschöpfung, werden unabhängig von fossilen Energieimporten und schützen Umwelt & Klima. Aktuell importieren wir in Tirol übrigens noch rund 60 % fossile Energie, hauptsächlich Erdgas und Erdöl.

 

Die Mobilitätswende als Kernbereich – Wie bewegen sich die Tiroler:innen 2050 bestenfalls fort und was wird dafür bereits jetzt getan?

Auch im Jahr 2050 wollen wir uns mit Sicherheit fortbewegen – sei es zu Fuß, mit dem Rad, mit Bus, Bahn oder dem Auto. Mit rund 35 % Prozent Anteil am gesamten Energieverbrauch, und das bisher fast ausschließlich aus fossilen Quellen, fällt der Verkehr im Moment in der Tiroler Klimabilanz schwer ins Gewicht. Für einen aktiven Schritt in eine bessere Zukunft gibt es viele Möglichkeiten:

Durch einen Tag Homeoffice in der Woche könnte der Pendelverkehr um 20 % abnehmen. Mit Bus und Bahn fährt man seit Neuestem durch das Klimaticket und die Tarifreform in Tirol noch günstiger und es ist zudem bequem, auf dem Arbeitsweg zu entspannen. Aus Gesundheitssicht wären täglich 10.000 Schritte zu Fuß empfohlen, unser Durchschnitt liegt aber bei nur 1.400 Schritten, hier gibt es also nicht nur Potential für die Energieautonomie. Fahrradfahren hält fit und auch mit Transporträdern lässt sich Einiges bewegen. Ich kaufe auch gerne lokal ein, das schmeckt gleich doppelt gut und verringert die nötigen Transportwege, die in Zukunft mit der Bahn, batterie-elektrisch oder mit grünem Wasserstoff gemeistert werden. Auch E-Busse befinden sich bereits im Testbetrieb und vor kurzem ist Tirols erster E-LKW an mir vorbeigeflitzt. Nichtsdestotrotz: Ein Auto ist in einigen Fällen einfach sehr praktisch oder schlichtweg notwendig. Dann sind Elektroautos die beste Lösung, die wir haben. Die Effizienz von Elektrofahrzeugen ist einfach um ein Vielfaches größer als die von Pkws mit Verbrennungsmotor. Mit der gleichen Energiemenge kommt ein Elektroauto rund dreimal so weit, denn ein Verbrenner verwandelt den Großteil der Tankfüllung in Wärme statt in Bewegung, ein Verbrenner ist quasi eine fahrende Heizung. Das Umweltbundesamt hat letztes Jahr wieder einmal gezeigt, dass schon mit dem jetzigen österreichischen Strommix ein deutlicher ökologischer Vorteil erreicht wird, der sich zukünftig durch 100 % erneuerbaren Strom noch verstärkt. [Umweltbundesamt: Die Ökobilanz von Personenkraftwagen, 2021. publikationsdetail ‚Die Ökobilanz von Personenkraftwagen.‘ (umweltbundesamt.at); abgerufen am 28.01.2022] Deswegen wird der Umstieg auf die Elektromobilität auch weiterhin hoch gefördert. Und das mit Erfolg – 2021 hat sich die Zahl der neu zugelassenen E-Autos in Tirol fast verdoppelt und liegt jetzt bei 12,6 %.

Unsere Stau-, Ressourcen- oder Platzprobleme können E-Autos natürlich nicht lösen, aber auch öffentliche Busse werden in Zukunft emissionsfrei fahren und das Öffi-Angebot sowie das Carsharing TIROL 2050 wird weiter ausgebaut. Die mittlerweile über 50 verfügbaren E-Fahrzeuge können in Kooperation mit dem VVT bereits jetzt unkompliziert genutzt werden.

 

Von der Idee zur Umsetzung – Zahlreiche Unternehmen sorgen schon dafür, dass Tirol langfristig und nachhaltig energieautonom wird. Welche dieser ‚Geschichten des Gelingens‘ hat es Dir besonders angetan?

Da gibt es viele – vom eigenen kleinen Wasserkraftwerk im Keller über E-Mopeds in der Fahrschule bis zur Einkaufsgemeinschaft für PV-Anlagen oder Tirols erste U-Bahn – immer stecken begeisterte Menschen dahinter, die von ihren Hürden und Strategien zum Erfolg erzählen. Um ein Beispiel aus dem Bereich Wärme und Energieeinsparung zu nennen, das auch noch das große Wirtschaftspotential der Energiewende zeigt: Die Firma ‚iDM Energiesysteme‚ stellt in Matrei in Osttirol 9.000 Wärmepumpen im Jahr her und ist damit der größte Hersteller Österreichs. Ihr Geschäftsführer Manfred Pletzer steckt selbst voller Energie fürs Thema und engagiert sich sowohl in der Tiroler Wirtschaftskammer als Vizepräsident als auch in der Adlerrunde für die Energiewende. Im Mai 2021 ließ die iDM mit einem Wachstum um 50% aufhorchen, Tendenz steigend. Der Hintergrund: Die Wärmepumpentechnologie gibt uns die Möglichkeit, die in der Umgebung vorhandene Energie zu nutzen. Viele glauben, dass es sich dabei um eine relativ neue Entwicklung handelt. Das stimmt so allerdings nicht ganz. Schon vor über 160 Jahren erkannte man das Prinzip des Wärmepumpenkreislaufes und machte es nutzbar. Und auch heute hat jeder von uns mehrmals täglich Kontakt mit der Technik – egal ob Kühlschrank oder Klimaanlage – beides funktioniert nach demselben, wenn auch umgekehrten, Prinzip. Wärmepumpen zum Heizen entziehen die Wärme aus Luft, Wasser oder Erdreich und ‚pumpen‘ diese auf eine höhere Temperatur. So wird aus einem Teil Strom das Vielfache an Wärme. Sogar Luft mit einer Temperatur von unter 0 °C hat Energie gespeichert, die man nutzen kann. Der Umstieg auf Wärmepumpen oder andere erneuerbare Heizungen wird deshalb aktuell stark gefördert- Damit kommt man beim Kauf einer Wärmepumpe von 20.000 Euro z. B. auf eine Förderung von insgesamt 15.500 Euro. Hier gibt es Infos zu Förderungen und Beratung.

 

Gemeinsam ein großes Ziel erreichen – Was kann jede:r von uns dazu beitragen, dass Tirol bis 2050 unabhängig von fossilen Energieträgern ist?

TIROL 2050 energieautonom ist ein großer Veränderungsprozess, der vorzeigt, wie man die Energiewende in Angriff nehmen kann. Kernstück ist dabei der Dialog mit der Bevölkerung und Stakeholdern aus verschiedenen Bereichen, um so neue Ideen und inspirierende Projekte aufzuspüren und in die Breite zu bringen. Dabei spielen allerdings nicht nur neue Technologien, wie die Elektromobilität oder intelligente Gebäude eine wichtige Rolle. Der Wandel zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft gelingt am besten über viele einzelne Schritte und Ideen der Menschen in Tirol. Jede und jeder kann sein/ihr Potential einbringen und etwas zum Gelingen beitragen. Die Aufgabe der Politik ist es, sinnvolle Rahmenbedingungen für diesen Veränderungsprozess zu schaffen. Mit TIROL 2050 energieautonom bündelt das Land dafür alle verfügbaren Kräfte.

 

Last but not least: Green Filming in Tirol – Welche Chancen und Möglichkeiten siehst Du für Green Filming in Zusammenhang mit TIROL 2050 energieautonom?

In Tirol ist die Kraft und die Schönheit der Natur besonders stark spürbar. Umso authentischer, wenn auch die Filmproduktionen, die hier spielen selbst so nachhaltig wie möglich umgesetzt werden.
Ein großes Potential liegt aus meiner Sicht darüber hinaus auch in der inhaltlichen Auseinandersetzung von Filmen und Fernsehproduktionen mit den Themen Klimaschutz, Energiewende und Nachhaltigkeit: Welche Generationenkonflikte tauchen auf, welche ermutigenden Geschichten gibt es zu erzählen? Das Potential einer glücklichen, besseren Zukunft wird aus meiner Sicht viel zu selten erlebbar gemacht, obwohl positive Visionen uns alle beflügeln und uns Energie für Veränderung schenken. Filmtipps in die Richtung sind zum Beispiel ‚2040 – Wir retten die Welt‚, ‚Von Bananenbäumen träumen‚, ‚Power to Change‚ oder der Klassiker ‚TOMORROW – Die Welt ist voller Lösungen‚.

Aus dieser Überzeugung heraus bin ich auch bei der Initiative klimakultur.tirol engagiert, die Kunst und Kultur als entscheidende Möglichkeit des proaktiven Wandels hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft sieht. Hier treffen Kunst- und Kulturschaffende mit Wissensträger:innen aus Energiewende und Klimaschutz zusammen und es entsteht Zukunftskunst.

 

Kontakt:

TIROL 2050 energieautonom
Dhara Meyer
Südtiroler Platz 4
6020 Innsbruck
Tel.: +43 512 58 99 13 (20)
Mail: dhara.meyer@energie-tirol.at

www.tirol2050.at